Definition

Was ist Spezialitätenkaffee?

Spezialitätenkaffee ist laut Definition der Specialty Coffee Association grüner Kaffee, der auf einer 100-Punkte-Skala 80 oder mehr Punkte erreicht. Aber das ist nur der Boden. Ein Leitfaden auf Deutsch darüber, was Spezialitätenkaffee ist, wie man ihn erkennt und wo man ihn findet.

Die technische Definition

Die Specialty Coffee Association (SCA), die internationale Organisation, die die Standards der Branche definiert, klassifiziert jeden grünen Kaffee als Spezialitätenkaffee, der auf einer 100-Punkte-Skala 80 oder mehr Punkte erreicht. Die Bewertung erfolgt durch einen zertifizierten Q-Grader in einem Prozess namens Cupping — Blindverkostung nach einem strengen Protokoll.

Diese Definition betrifft den grünen Kaffee — vor der Röstung. Aber Qualität in der Tasse hängt von viel mehr ab. Ein 86-Punkte-Kaffee, schlecht geröstet, schlecht extrahiert und in einem schlecht geführten Café serviert, kann am Ende schlechter sein als ein gut gemachter Handelskaffee.

Was Spezialitätenkaffee auszeichnet

Über den SCA-Score hinaus hat Spezialitätenkaffee wiederkehrende Merkmale:

  • Rückverfolgbarkeit — Erzeuger, Farm, Höhenlage, botanische Sorte und Aufbereitungsmethode sind bekannt.
  • Helle bis mittlere Röstung — um den Charakter der Herkunft zu erhalten statt ihn mit Röstaromen zu verdecken.
  • Single Origin oder kuratierte Blends — statt anonymer, auf Kosten optimierter Mischungen.
  • Röstdatum auf der Verpackung — nicht Mindesthaltbarkeit. Kaffee ist 7 bis 30 Tage nach der Röstung am besten.
  • Präzise Brühmethoden — eingestellter Espresso, V60, AeroPress, Chemex — angepasst an die spezifische Bohne.
  • Ausgebildete Baristi — keine Studenten mit Schichtjob.

Die Geschichte in drei Wellen

Die Kaffeebranche teilt sich üblicherweise in drei (jetzt vier) "Wellen". Eine nützliche Vereinfachung:

  • Erste Welle (1900–1960): Kaffee als Massenware — Folgers, löslicher Kaffee. Kaffee als Konsum.
  • Zweite Welle (1970–2000): Kaffee als Erlebnis — Starbucks bringt Espressokultur in den Mainstream.
  • Dritte Welle (2000–heute): Kaffee als handwerkliches Produkt — rückverfolgbare Herkunft, helle Röstung, Barista als Beruf. Diese Welle hat das hervorgebracht, was wir heute Spezialitätenkaffee nennen.
  • Vierte Welle (2020–heute): radikale Transparenz, experimentelle Fermentation, Gastfreundschaft als Community. Mehr in fourth wave coffee (EN).

Spezialitätenkaffee in Deutschland

Deutschland — und besonders Berlin — hat eine der tiefsten Spezialitätenkaffee-Szenen Europas. Berlin wird oft als europäische dritte-Welle-Referenzstadt zitiert, mit Röstereien wie Bonanza Coffee Roasters, The Barn, Five Elephant und Father Carpenter, die international anerkannt sind.

München (mit JB Kaffee, Mahlefitz), Hamburg (mit Elbgold, Public Coffee Roasters), Köln (Van Dyck Roesterei), Leipzig und Frankfurt haben ebenfalls starke Szenen. Außerhalb der Großstädte gibt es eine wachsende Zahl kleiner Röstereien, die direkt mit Erzeugern arbeiten.

Die deutschsprachige Szene erstreckt sich auch auf Wien (Adrian, Süssmund, Jonas Reindl) und Zürich (Henauer, Stoll Kaffee).

Wie man ein Specialty-Café erkennt

Beim ersten Besuch in einem Café lesen sich einige Signale in Sekunden:

  • Röstdatum (nicht Mindesthaltbarkeit) auf den Kaffeebeuteln im Verkauf
  • Filterkaffee als primäre Methode verfügbar, nicht nur Espresso
  • Geschriebene Verkostungsnotizen — nicht nur "kräftiger Arabica"
  • Schmuckwaage sichtbar neben der Mühle
  • Name des Erzeugers genannt, nicht nur das Land
  • Baristi, die offen über die Bohnen sprechen
  • Bequemer Raum, wo man eine Stunde verweilen kann

Wo Spezialitätenkaffee zu finden ist

Die Roasters-App kartiert über 23.000 Specialty-Cafés in 126 Ländern. Gute Ausgangspunkte:

Oder lade die App herunter, um die Karte überall hin mitzunehmen.

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